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„Only Watch“-Gründer Luc Pettavino (Bild: „Only Watch“)

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Wohltätigkeitsauktion „Only Watch“ im Zwielicht

Die für den 5. November geplante zehnte Edition der Auktion für den guten Zweck wurde ins Jahr 2024 verschoben. Es gibt Zweifel an der korrekten Verwendung der Einnahmen, die zum Rückzug und Zögern namhafter Partner führten.

Ursprünglich sollte im November die zehnte Auflage der Wohltätigkeitsauktion „Only Watch“ stattfinden. Rund 60 nahmhafte Uhrenmarken spenden dafür traditionell sehr hochwertige Modelle, meist eigens dafür entworfene und gefertigte Unikate, die mit fünf- bis sechsstelligen Preisen bewertet werden. Doch die Auktion unter der Schirmherrschaft von Fürst Albert II. von Monaco wurde nun – relativ kurzfristig – auf das kommende Jahr verschoben.

Warum?

Es gibt bisher unausgeräumte Zweifel an der korrekten Mittelverwendung durch den Gründer von „Only Watch“, Luc Pettavino. Mittels der Auktion sammelt er Gelder für die „Association Monégasque Contre les Myptahies“ (AMM), der sich für die Erforschung der seltenen Genkrankheit Duchenne-Muskeldystrophie engagiert. Rund 100 Millionen Euro sind durch die bisherigen Auktionen bereits zusammengekommen.

Luc Pettavino ist selbst von der Krankheit betroffen, Vorsitzender von AMM und zudem auch Aktionär von SQY Therapeutics, die eine Therapie gegen die Krankheit entwickeln und größter Empfänger der Gelder von Only Watch sind. 50 Millionen der Spenden wurden bisher verteilt, der Verbleib der restlichen Einnahmen ist momentan fraglich.

Sie würden „strikt verwaltet“, ließ die Wohltätigkeitsorganisation in einer Pressemitteilung wissen. Kritiker werfen der Organisation dagegen mangelnde Transparenz vor, es gibt Gerüchte, Pettavino habe persönlich von den Auktionen profitiert. Audemars Piguet zog – ohne Nennung von Gründen – seine Uhr vergangene Woche aus der Auktion zurück. Auch Patek Philippe hat bisher noch nicht verkündet, welche Uhr auf der Auktion 2023 hätte versteigert werden sollen.

Nicht ganz so gemeinnützig?

Branchenkenner Gisbert L. Brunner schätzt die Situation auf seiner Website Uhrenkosmos.com so ein, dass „Only Watch“ wohl nicht ganz so gemeinnützig ist, wie es in der Außendarstellung den Anschein hat: „Böse Zungen behaupten, dass der Sitz der AMM im europäischen Steuerparadies nicht von ungefähr kommt. Wer hierzulande die Gemeinnützigkeit einer Organisation erlangen will, muss sich den Steuerbehörden sehr differenziert erklären. Ähnlich dürfte es auch in Frankreich oder der Schweiz sein.“ Wenn Patek Philippe nun auch einen gänzlichen Rückzug vollzieht, wäre der Ruf von „Only Watch“ „nachhaltig, wenn nicht gar gänzlich beschädigt“, urteilt Gisbert L. Brunner – wohlgemerkt im Konjunktiv.

AMM selbst verweist in einer Erklärung vor allem auf die Erfolge in der Forschung zu Duchenne-Muskeldystrophie durch die finanziellen Mittel der Organisation: So werde mit ihrer Hilfe inzwischen eine klinische Studie zum Therapieansatz geführt. Auch auf die Vorwürfe der Intransparenz gehen die Auktionsorganisatoren ein: „Einige Tage vor der Auktion wurden Fragen zur Mittelverwendung und zur Leitung der AMM, einer Vereinigung von Patientenfamilien, gestellt. Die Antworten betrafen die gewählten Finanzierungsstrategien, die unterstützten Strukturen und Projekte sowie die Buchführung und das Budget der Vereinigung.“

Verlinkt ist ein PDF, in dem die AMM die bisherigen Veröffentlichungen, zum Beispiel von Finanzberichten, aufgelistet werden und künftige, nach eigenen Angaben geplante Offenlegungen für mehr Transparenz versprochen werden. So soll unter anderem ein externer Wirtschaftsprüfer die künftigen Jahresabschlüsse überprüfen. Das PDF kann hier eingesehen werden: https://onlyproject.org/wp-content/uploads/2023/10/AMM-OW-2023-Governance-and-Transparency-update-and-next-steps.pdf

Das große Aber: Nur 70 Prozent der Einnahmen sind darin vermerkt. Wohin der Rest des Geldes geflossen ist, ist aktuell noch unklar. Mit der Verschiebung gewinnt die Organisation nun Zeit, die Vorwürfe auszuräumen – tut sie das nicht, dürfte „Only Watch“ tatsächlich am Ende sein.

Das sagt der Gründer

Luc Pettavino trägt in der Pressemitteilung erst einmal nichts zur Aufklärung bei. Er betont die klinischen Erfolge und erwähnt die möglichen finanziellen Unstimmigkeiten mit keiner Silbe: „Wir werden weiter voranschreiten und noch mehr Informationen […] liefern […]. Die Beweglichkeit, die uns auszeichnet, hat es uns ermöglicht, außergewöhnliche Fortschritte zu erzielen. Eine unserer größten Freuden ist es, während wir diese Zeilen schreiben, zu wissen, dass eine Gruppe von Kindern und jungen Erwachsenen in eine klinische Studie aufgenommen wurde, die durch die Mittel von Only Watch ermöglicht wurde. Das ist greifbar, konkret und gibt Hoffnung auf eine Heilung. Das ist es, was wichtig ist."

https://www.onlywatch.com

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