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Foto: Martin Glauner

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Starke Verbindung

Die Geschichte der Kette ist so alt wie die Kulturgeschichte der Menschheit.

Bereits seit über 4500 Jahren dient sie als Schmuckstück. Ihre Vielseitigkeit hat die Kette zum zweitliebsten Accessoire der Deutschen werden lassen.


Sie ist stark, aber nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Sie hält Schiffe fest am Anker, überträgt die Kraft beim Fahrrad, bietet als Kleidungsstück Schutz vor Hieben und Stichen. Und sie schmückt so vielseitig wie sonst kaum ein anderes Accessoire. Die Rede ist von der Kette. Ihr Name leitet sich übrigens vom lateinischen Wort „cadena“ beziehungsweise vom althochdeutschen „ketina“ und mittelhochdeutschen „keten“ ab. Es steht für Reihe, Schar und meint eine Aneinanderreihung von beweglichen, ineinandergefügten oder mit Gelenken verbundenen Gliedern.

Schon gewusst? Das archaische Schmuckstück, das uns seit der Bronzezeit begleitet, ist auch heute noch der Deutschen zweitliebstes Accessoire, direkt nach den Ringen – so das Ergebnis des aktuellen Schmuck-Monitors von Responsio und der GZ.

Am Anfang war das Schmuckstück

Die älteste Kettenart ist die Fuchsschwanzkette, die in Grabbeigaben in Ur gefunden wurde und auf das Jahr 2500 vor Christus datiert. Diese Kettenart dominierte immerhin fast 3000 Jahre die Menschheitsgeschichte und blieb bis zum Mittelalter beliebt. Der Grund: Die Herstellung war denkbar einfach. Es wurden bereits verlötete Ösen ineinandergehängt. Das Verlöten über offenem Feuer war für die Goldschmiede damals kein Problem. Die Ankerkette erschien erst um 2100 vor Christus. Andere antike Kettenformen sind die Schlaufenketten (2000 v. Chr.), Stabgliederketten (6. Jahrhundert v. Chr.) oder Heraklesknotenketten (2.–3. Jahrhundert v. Chr.). Seit dem 15. Jahrhundert verbreitete sich aus Frankreich die Panzerkette. In der Renaissance kam die Zwillingsankerkette dazu. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland die Schlangenkette erfunden. Aus dieser Zeit stammt auch die Veneziakette. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen weitere Kettenarten wie die Garibaldi-, Milano-, Drahtschnecken- und Erbskette hinzu. Bis heute entwickeln Goldschmiede neue Kettenarten, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Vom Kettenschmied zum Kettenautomaten

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kettenglieder einzeln per Hand gezogen und geschmiedet oder gegossen. Aufgrund der großen Beliebtheit von Edelmetallketten kam sogar ein eigener Berufszweig im Goldschmiedehandwerk auf: der des Kettengoldschmieds. Mit der Dampfmaschine und später mit elektrischen Antrieben konnte man Draht dann jedoch in größeren Mengen ziehen und schließlich maschinell zu Ketten verarbeiten. Die Kunst des Kettengoldschmieds wurde immer seltener gefragt.

Innovationen Aus Pforzheim

Zwischen 1830 und 1870 entwickelten die Schmuckindustrien in Frankreich, England und Deutschland verschiedene Kettenautomaten. Ein Schwerpunkt der Tüftler war Pforzheim. Heinrich Witzenmann, einer der führenden Schmuckfabrikanten der Goldstadt, und sein Geschäftspartner, der Erfinder Eugène Levavasseur, konstruierten und bauten die erste halbautomatische Kettenmaschine im Jahr 1869. Um 1900 produzierten in Pforzheim über 100 Betriebe für den Weltmarkt Ketten aller Art. In dieser Zeit war die Firma Kollmar & Jordan der größte Kettenhersteller der Welt. Dank zahlreicher Erfindungen der Pforzheimer wurde die Automatisierung immer weiter gesteigert. 1910 gelang es, die Fuchsschwanzkette maschinell herzustellen. 1920 folgte die Schlangen-, 1935 die Geflecht-, 1955 die Venezianer- und 1985 die Königs- und Madeirakettenmaschine.

Die Entwicklung hört auch in der Gegenwart nicht auf: CAD-Systeme und 3-D-Drucker ermöglichen heute neue, auf die individuellen Kundenwünsche zugeschnittene Produkte zu entwickeln. 

Mittlerweile gibt es zwar nur noch wenige Kettenspezialisten in Deutschland, diese sind aber hochmoderne, leistungsfähige Betriebe, die den gesamten Weltmarkt beliefern. Die vollautomatisierte Hightech-Fertigung in Kombination mit gut ausgebildeten Spezialisten macht sie am Standort wettbewerbsfähig. Auf der anderen Seite überzeugen Schmuckdesigner und feine Manufakturen mit handgearbeiteten Ketten in altbewährter Tradition. Wahre Meister ihres Fachs verbinden hier in herkömmlicher Goldschmiedetradition fugenlose Glieder zu perfekter Schönheit und fließender Weichheit.

Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Die Kette ist und bleibt ein spannendes Thema, handelt es sich doch um den beliebtesten und vielseitigsten Klassiker unter den Schmuckstücken. Doch in den vergangenen Jahren ist sie ein wenig von der Branche vernachlässigt worden und schlummert oft unbeachtet versteckt in den Schubladen des Juweliers ihren Dornröschenschlaf. Damit das nicht so bleibt, stellt die GZ-Redaktion auf den folgenden Seiten die führenden Anbieter von Ketten und ihre jüngsten Ideen vor. Das Spektrum reicht von der Meterware für das Basis-Angebot über feine Manufakturarbeit bis hin zum handgeschmiedeten Unikat.

Text: Axel Henselder

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