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Gold: Gefangen zwischen Inflations- und Zinsängsten

Goldpreis

Gut zwei Monate bleiben Gold noch, um das Minus seit Jahresbeginn auszumerzen. Die Chancen für ein positives Jahresfinale sind aber durchwachsen. Und auch im kommenden Jahr werden Gold-Fans gute Nerven brauchen, schreibt Heraeus.

Für die Edelmetalle zeichnet sich ein schwaches Jahr ab. Mit minus sechs Prozent rangiert Gold im Mittelfeld und lässt derzeit auch nur wenig Fantasie aufkommen. Grund: Zwei wichtige Einflussfaktoren – Inflation und Zinsen – neutralisieren sich nahezu. Unterstützung erfährt die Feinunze von der Inflationsseite. Besonders in den USA springt die Teuerung kräftig an: Im September kletterten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Neben den Nahrungsmittelpreisen erwiesen sich zunehmend die Mieten als Inflationstreiber. Gegenüber dem Vorjahresniveau liegt das Plus bei satten 5,4 Prozent, das ist der höchste Wert seit Sommer 2008. Bereits seit Mai hat sich die Teuerung bei mindestens fünf Prozent etabliert und wird wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten auf erhöhtem Niveau bleiben.

Von einem vorübergehenden Effekt kann somit keine Rede sein. Der damit einhergehende Kaufkraftverlust könnte sich mittelfristig negativ auf die Konjunktur auswirken und stellt ein Risiko dar. Auch die längerfristigen Inflationserwartungen sind zuletzt wieder angesprungen. So ist die vielbeachtete 5-jährige Breakeven-Inflationsrate nach einer Atempause bis an das im Mai markierte Mehrjahreshoch gelaufen. Die Breakeven-Inflationsrate gibt die Teuerungsrate an, zu der weder eine herkömmliche Anleihe noch eine inflationsgeschützte Anleihe profitabler ist. Gold bietet gemeinhin einen Kaufkraftschutz in unsicheren Zeiten und sollte von dieser Ausgangslage eigentlich profitieren.

Goldpreis im Seitwärtstrend

Die Realität sieht aber anders aus. Abgesehen von einem sehr kurzen Ausreißer auf der Unterseite pendelt der Preis seit Mitte Mai in einer engen Spanne zwischen 1.730 bis 1.830 Dollar seitwärts. Zuletzt scheiterten mehrere Versuche auf der Oberseite, die 200-Tage-Linie bei rund 1.800 Dollar zu überwinden.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die anziehenden Preise auch die Notenbanker auf den Plan rufen. Noch Ende August preiste der Markt eine erste Zinserhöhung in den USA zum Jahresende 2022 ein. Inzwischen rechnet die Mehrzahl der Akteure am Terminmarkt bereits mit einem ersten Schritt nach oben auf der Sitzung Ende Juli. Die Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 120 Mrd. Dollar pro Monat soll schon dieses Jahr starten.

Hoffen auf die langfristigen Zinsen

Laut dem Protokoll der vergangenen Sitzung wird das Programm im November oder spätestens ab Mitte Dezember um monatlich 15 Mrd. Dollar verringert. Weiter steigende Zinsen und Renditen am Anleihemarkt belasten Gold, weil Anleger beim Edelmetall nur von anziehenden Kursen profitieren. Hoffnung bereitet aber die Tatsache, dass in der Vergangenheit die Zinsen am langen Ende meist deutlich gefallen sind, wenn die Fed ihr Anleiheaufkaufprogramm beendete. Meist trübten sich dann auch die Konjunkturaussichten ein, entsprechend kam es zu Portfolioumschichtungen in Anleihen.

Die Ausgangslage ist somit klar: Gold dürfte nur dann wieder durchstarten, wenn die Inflation mindestens auf dem nun erreichten Niveau bleibt und die Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten nicht weiter zunehmen. Dafür müsste aber auch die Weltwirtschaft deutlich an Dynamik verlieren und die Risikobereitschaft der Investoren am Aktienmarkt nachlassen. Unter dem Strich bleiben die Aussichten für Gold daher alles andere als glanzvoll.

www.heraeus.com

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